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Wo kein Bus mehr fährt
„Manchmal fahre ich in Dörfer mit vier oder fünf Häusern. Orte, die fast von Gott verlassen sind.“ Wenn Enzo von seiner Arbeit erzählt, merkt man schnell, dass er den Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim bestens kennt. Seit mehreren Jahren fährt er für das NEA Mobil Menschen von Ort zu Ort. Dabei kommt er auch in die kleinsten Dörfer, in die oft kein Linienbus mehr fährt.
Das NEA Mobil ist ein Rufbus-System. Fahrten können telefonisch oder per App gebucht werden. Anders als ein normaler Bus fährt das NEA Mobil nur dann, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Mittlerweile ist das Angebot im gesamten Landkreis nutzbar.
Wer das Angebot nutzt? „Eigentlich jeder“, sagt Enzo. Senioren gehören ebenso dazu wie Familien, Jugendliche oder Menschen mit Behinderung. Auch Rollstuhlfahrer können befördert werden. Die Fahrzeuge sind entsprechend ausgestattet. Außerdem gibt es Möglichkeiten, auch kleine Kinder sicher mitzunehmen. Viele Fahrgäste sieht Enzo regelmäßig. „Mittlerweile kenne ich die Stammkundschaft“, erzählt er. Manche Menschen nutzen das Angebot mehrmals pro Woche. Gerade in kleineren Orten ist das NEA Mobil für viele längst Teil des Alltags geworden.
Dass Enzo von dem Angebot überzeugt ist, merkt man schnell. Er fährt nicht nur für das NEA Mobil, sondern nutzt es auch privat. Wenn sein eigenes Auto in die Werkstatt muss oder er selbst eine Fahrt benötigt, steigt er als Fahrgast ein. Nach eigener Aussage hat er das Angebot in den vergangenen Jahren bereits mehr als 20 Mal genutzt. Vor allem den Preis lobt er immer wieder. Im Vergleich zu einem Taxi ist das NEA Mobil deutlich günstiger. Gerade längere Fahrten wären sonst oft mit deutlich höheren Kosten verbunden.
Auch das Angebot selbst hat sich weiterentwickelt. Heute können Fahrgäste Ziele im gesamten Landkreis erreichen. Für viele Menschen bedeutet das deutlich mehr Flexibilität im Alltag. Enzo ist überzeugt, dass solche Angebote in Zukunft noch wichtiger werden. Nach seiner Beobachtung nutzen im Moment immer mehr Menschen das Angebot. Was ihm an seiner Arbeit am besten gefällt? Die Antwort kommt ohne langes Überlegen: „Der Umgang mit den Leuten.“
Doch wie sieht Mobilität auf dem Land außerhalb des NEA Mobils aus? Um das herauszufinden, machte ich mich auf den Weg nach Gnodstadt. Dort steht eine der Mitfahrbänke, die vor rund sechs Jahren im Raum Marktbreit eingerichtet wurden. Die Idee dahinter ist einfach: Wer mitgenommen werden möchte, setzt sich auf die Bank und signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern, dass er eine Mitfahrgelegenheit sucht. Um herauszufinden, wie das in der Praxis funktioniert, setzte ich mich selbst auf die Mitfahrbank. 45 Minuten lang wartete ich dort. Rund 35 Autos fuhren vorbei. Angehalten hat niemand.
Auch aus dem Rathaus in Marktbreit kam eine eher zurückhaltende Einschätzung. Dort vermutet man mehrere Gründe dafür, dass die Mitfahrbänke bislang nur wenig genutzt werden. Zum einen seien vielen Menschen die Mitfahrbänke und ihre Funktionsweise gar nicht bekannt. Zum anderen spiele möglicherweise eine Hemmschwelle eine Rolle. Viele Menschen lernen schon früh, nicht zu Fremden ins Auto zu steigen und umgekehrt keine unbekannten Personen mitzunehmen. Genau darauf ist das Konzept der Mitfahrbank jedoch angewiesen. Eine Anwohnerin erzählte mir außerdem, dass sie die Mitfahrbank in den vergangenen Jahren noch nie in Benutzung gesehen habe. Ihrer Einschätzung nach besitzen die meisten Menschen vor Ort ohnehin ein eigenes Auto.
Ein anderer Ansatz wird im Raum Seinsheim und Gnötzheim verfolgt. Dort sorgt der Generationenbus dafür, dass Menschen auch ohne eigenes Auto mobil bleiben. In einem Telefongespräch erklärte mir eine Verantwortliche des Projekts das Konzept. Das Angebot wird ehrenamtlich organisiert und von den Beteiligten gemeinschaftlich getragen. Mitglieder können die Fahrzeuge selbst nutzen. Zusätzlich gibt es montags, mittwochs und freitags feste Fahrten. Dabei fährt der Bus durch die umliegenden Dörfer und bringt Menschen beispielsweise nach Marktbreit oder Ochsenfurt – etwa zum Einkaufen, zu Arztterminen oder ins Krankenhaus. Für die Nutzer entstehen dabei nur geringe Kosten.
Besonders bemerkenswert ist das Engagement der Fahrer. Sie übernehmen ihre Fahrten ehrenamtlich. Die Verantwortliche zeigte sich zuversichtlich, dass das Angebot auch künftig Bestand haben wird. Erst letzte Woche seien drei neue Mitglieder hinzugekommen.
Ob Rufbus, Mitfahrbank oder Generationenbus – die Ansätze sind unterschiedlich. Alle versuchen auf ihre Weise, Mobilität auch dort zu ermöglichen, wo klassische Busverbindungen an ihre Grenzen stoßen.
Nach 45 Minuten stand ich schließlich wieder von der Mitfahrbank in Gnodstadt auf. Angehalten hatte niemand. Mein Selbstversuch zeigt vor allem: Nicht jede Idee wird gleich gut angenommen. Während die Mitfahrbank kaum genutzt wird, sind das NEA Mobil und der Generationenbus für viele Menschen längst Teil des Alltags geworden.
Die Wege sind unterschiedlich – das Ziel bleibt dasselbe: Menschen mobil zu halten.
