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RENATURIERUNG DES KÜHWASENGRABENS
Der Bagger setzt an, vier gezielte Stiche – dann ist es so weit: Das Wasser des Kühwasengrabens findet seinen neuen Weg. Innerhalb weniger Minuten füllt sich das frisch angelegte Bachbett. Das Wasser strömt ruhig durch die neuen Windungen. Mit diesem Moment ist die Baumaßnahme der ersten Daueranlage abgeschlossen – ein sichtbarer Meilenstein für den Landschaftspark.
Mit der Renaturierung des Kühwasengrabens wurde ein wichtiger Beitrag zur ökologischen Aufwertung, zum Hochwasserschutz und zur Steigerung der Aufenthaltsqualität getätigt. Der Bachlauf wurde im Zuge der Maßnahme von ursprünglich 168 Metern auf insgesamt 251 Meter verlängert und naturnah umgestaltet. Die Planung übernahm das Landschaftsarchitekturbüro RMP Stephan Lenzen in enger Abstimmung mit der Bachmann Artenschutz GmbH. Für die bauliche Umsetzung war die Gustav Biedenbacher GmbH Garten- und Landschaftsbau verantwortlich.
Der Durchstich: Ein besonderer Moment
Der entscheidende Augenblick kam mit dem sogenannten Durchstich. Baggerfahrer Martin Drießlein öffnete den neuen Bachlauf mit vier präzisen Zügen in Richtung des bestehenden Grabens. Die Erde wurde abgetragen und direkt auf einen Lastwagen verladen – unvermittelt setzte sich das Wasser in Bewegung. Ungehindert floss der Kühwasengraben in sein neues Bett, suchte sich seinen Weg durch die geschwungene Trasse und brachte die Planung erstmals zum Leben.
Begleitet von Vertreterinnen der Presse nutzte Geschäftsführer Rüdiger Eckhardt die Gelegenheit, um auf die intensive Planungs- und Bauphase zurückzublicken – und um seine Freude über das Einfließen des Wassers auszudrücken. „Bisher haben wir immer nur Sachen abgerissen, jetzt zeigen wir, dass wir auch fertig bauen. Wir freuen uns über den erfolgreichen Bau dieser Daueranlage.“, erklärt er strahlend.
Mehr Raum für Natur
Der neue Verlauf des Bachlaufs folgt einer mäandrierenden Struktur. Sanfte Kurven, flache Uferzonen und Kiesbänke sorgen dafür, dass das Wasser langsamer fließt. So entstehen unterschiedliche Strömungsbereiche und wertvolle Mikro-Lebensräume, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten zugutekommen. Beispielsweise profitieren Libellen von den verbesserten Lebensbedingungen am Gewässer.
Auch bei der Umsetzung spielte Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: Die Steine, die heute die Bachbiegungen strukturieren, stammen aus dem ursprünglichen Landschaftssee und wurden wiederverwendet.
Naturnahe Bepflanzung
Die Bepflanzung wurde gezielt an die Standortbedingungen angepasst. Entlang des Bachlaufs wurden nässeverträgliche Gehölze wie Weiden sowie Uferstauden, darunter Iris-Arten, gepflanzt.
Auf den höher gelegenen Flächen erfolgte eine naturnahe Wildblumenansaat mit Stauden und einjährigen Pflanzen. So entsteht ein vielfältiges, sich im Jahresverlauf wandelndes Blütenangebot – ein wertvoller Lebensraum für Insekten und zugleich ein attraktiver Anblick für Besucherinnen und Besucher.
Nutzen für Mensch und Umwelt
Die Renaturierung verbindet ökologische Funktion mit Aufenthaltsqualität. Der neue Bachlauf schafft einen naturnahen Erlebnisraum mit hoher Aufenthaltsqualität für Besucherinnen und Besucher. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt.
Darüber hinaus verbessert die Maßnahme den Hochwasserschutz. Der mäandrierende, 1,60 Meter tiefe Bachlauf bietet zusätzlichen Retentionsraum, wodurch größere Wassermengen aufgenommen werden können. Die geschwungene Führung des Gewässers verlangsamt zudem den Wasserabfluss und trägt zur Entlastung bei Starkregenereignissen bei.
Ein Blick in die Zukunft
Langfristig wird sich auch der alte Bachlauf verändern. Durch einen Wall vom neuen Verlauf getrennt, wird er künftig weitgehend trockenfallen. Dennoch bleibt er ökologisch wertvoll: Ein tiefer gelegener Zulauf wird ihn weiterhin unregelmäßig mit Wasser versorgen. So entsteht ein spezieller Lebensraum – etwa für Insekten wie die Erdwespe, die genau solche Bedingungen benötigen.
Erlebbarkeit und Umweltbildung
Ein neuer Rundweg erschließt den renaturierten Bachlauf innerhalb des Landschaftsparks. Die Wegführung und der Gewässerverlauf sind in diesem Bereich eng miteinander verknüpft und ermöglichen spannende Einblicke in die neue Naturlandschaft. Zwei Brücken bieten den Blick von oben auf das Gewässer. Direkt am Ufer wurde zudem ein grünes Klassenzimmer geschaffen. Es dient als Lern- und Begegnungsort und wird auch über die Gartenschau hinaus für Umweltbildungsangebote genutzt werden.
Förderung
Die Renaturierung des Kühwasengrabens ist Teil der Daueranlagen der Gartenschau. Die Maßnahme wurde im Rahmen der Gartenschauförderung zu 90 Prozent durch das Umweltministerium gefördert. Rund 40 Prozent der Fördermittel stammen aus Mitteln der Europäischen Union.

