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Neuigkeiten aus Frankens Mehrregion

Neuigkeiten aus Frankens Mehrregion

Mostrenaissance – Apfelwein und Streuobst neu entdecken

02.07.2026 Städte und Gemeinden Landratsamt Landschaftspflegeverband

Jetzt mitmachen!

„Alte Mostbirne bei Lenkersheim – Bäume wie dieser prägen seit Generationen die fränkische Streuobstlandschaft.

Die fränkische Kulturlandschaft ist ohne Streuobst kaum vorstellbar. Knorrige Apfel- und Birnbäume prägen seit Jahrhunderten das Bild unserer Heimat. Einige von ihnen werden mehrere hundert Jahre alt und zeugen entlang unserer Straßen oder auf alten Streuobstwiesen bis heute von dieser langen Tradition. Besonders robuste Mostobstsorten mit kleinen Früchten benötigen oft weniger Pflege, sind widerstandsfähiger gegenüber Astbruch und bleiben dadurch lange vital.

Doch dieses wertvolle Kulturgut ist zunehmend bedroht. Viele alte Streuobstbäume wurden im Zuge der Flurbereinigung gerodet. Heute setzen Überalterung und Krankheiten wie der Birnenverfall den verbliebenen Beständen zusätzlich zu. In den kommenden Jahrzehnten könnte deshalb ein Großteil der alten Mostbäume entlang von Straßen und Wegen verloren gehen. Oft werden an diesen Standorten keine neuen Streuobstbäume mehr gepflanzt – vielerorts bleibt der Platz sogar dauerhaft leer.

Auch wenn alte Bäume nicht unbegrenzt erhalten werden können, lässt sich dennoch dafür sorgen, dass neue nachkommen. Streuobstbäume spenden Schatten, liefern Früchte und bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten- und Vogelarten. Besonders entlang viel befahrener Straßen und in ausgeräumten Agrarlandschaften besitzen sie eine hohe ökologische Bedeutung. Zwar werden durch den Streuobstpakt und weitere Initiativen wieder verstärkt Streuobstbäume gepflanzt, jedoch handelt es sich dabei überwiegend um Tafelobst. Alte Mostsorten stoßen dagegen kaum noch auf Interesse, da ihre Früchte häufig zu sauer, zu hart oder anderweitig nicht als klassisches Tafelobst geeignet sind. Hinzu kommt, dass traditionelle Methoden wie die Direktsaat kaum noch genutzt werden, obwohl sie über Generationen robuste, tiefwurzelnde und an den Standort angepasste Bäume hervorbrachte.

Ein weiterer Grund liegt im schwindenden Wissen rund um die Verarbeitung von Mostobst. Dabei besitzt insbesondere der Apfelwein – auch bekannt als „saurer Most“ oder „Ebbelwoi“ – eine lange Tradition. Bereits vor über 3.000 Jahren wurde Apfelwein hergestellt. In Deutschland reicht seine Geschichte bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Während Apfelwein in Hessen bis heute fest zur Alltagskultur gehört, ist er in Mittelfranken beinahe in Vergessenheit geraten.

Genau hier setzt die Idee der „Mostrenaissance“ an. Ziel ist es, das Interesse an Apfelwein und Cider wiederzubeleben und insbesondere jungen Menschen die Vielfalt heimischer Apfelgetränke näherzubringen. Denn von fruchtig und mild bis komplex, herb und spritzig eröffnet sich eine große geschmackliche Bandbreite – und zugleich eine neue Perspektive für die Nutzung und den Erhalt unserer Streuobstbestände.

Most-Probierbar für junge Gruppen

Unter dem Motto „Aufn Gschmack kumma“ sollen in den kommenden Monaten Cider- und Apfelwein-Probierabende speziell für junge Erwachsene angeboten werden. Verkostet werden ausschließlich hochwertige, erlesene und inspirierende Produkte. Ziel ist es, neue Zugänge zu Apfelwein und Cider zu eröffnen und Interesse an der Vielfalt und den Möglichkeiten der Mostherstellung zu wecken. Vereine sowie Gruppen junger Erwachsener können sich für die Most-Probierbar anmelden (begrenzte Anzahl an Plätzen).

Mostherstellungskurse

Für Donnerstag, 10. September 2026, um 19:00 Uhr ist in der Veranstaltungshalle des Bernatura in Burgbernheim ein großer Mostherstellungskurs geplant. Im Rahmen der etwa zweieinhalbstündigen Veranstaltung erhalten Interessierte einen praxisnahen Einblick in die Herstellung von Apfelwein und Most.

Gemeinsam werden die einzelnen Arbeitsschritte – von den Grundlagen bis hin zum eigenständigen Ansetzen des Mostes – vorgestellt und erläutert. Ergänzend bleibt ausreichend Zeit für individuelle Fragen, den fachlichen Austausch und die Diskussion praktischer Erfahrungen. Ziel des Kurses ist es, den Teilnehmenden das notwendige Wissen zu vermitteln, um anschließend selbst Most herstellen zu können.

Das Angebot richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Hobby-Moster.

Eine vorherige Anmeldung für den Präsenzkurs im Bernatura ist nicht erforderlich – Interessierte können spontan teilnehmen. Zusätzlich erhalten die ersten 50 Teilnehmenden vor Ort ein kostenloses Starterkit von Joenos für den eigenen Einstieg in die Mostherstellung (solange der Vorrat reicht).

Ergänzend findet am Freitag, 18. September 2026, von 14:00 bis voraussichtlich 17:00 Uhr ein begleitender Online-Termin statt. Neben einer kompakten Wiederholung der Inhalte des Präsenzkurses erwartet die Teilnehmenden ein zusätzlicher Fachvortrag der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau zum Thema Cidre-Produktion. Der Zugangslink wird nach erfolgter Anmeldung per E-Mail versendet.

Apfelweinfest in Reusch

Der Höhepunkt des Projekts erwartet die Besucher am Sonntag, 18. April 2027: Am Kirchplatz im Weigenheimer Ortsteil Reusch findet das erste offizielle fränkische Apfelweinfest statt. Von 13:00 bis 18:00 Uhr dreht sich alles um Apfelwein, Cider und Streuobst.

Die Gemeinde Weigenheim verbindet traditionell Weinbau und Streuobstkultur und bietet als Projektgemeinde von „Mehr Baamaland für Frankens Mehrregion“ einen passenden Rahmen für die Veranstaltung. Geplant sind Informationsangebote rund um Mostobst und Mostherstellung, Ausschankstände sowie Beiträge regionaler Vereine. Am Nachmittag wird es auch Kaffee und Kuchen geben.

Ein besonderer Programmpunkt ist der Wettbewerb für Hobby- und Erwerbsmoster. Die eingereichten Mostweine werden in getrennten Kategorien verkostet und bewertet. Die Sieger der einzelnen Kategorien erhalten eine Auszeichnung sowie Sachpreise.

Ziel des Wettbewerbs ist es, die Vielfalt und Qualität regionaler Mostprodukte sichtbar zu machen und den fachlichen Austausch zwischen erfahrenen Mostern sowie interessierten Besucherinnen und Besuchern zu fördern. Gleichzeitig soll die Veranstaltung dazu anregen, sich selbst mit der Mostherstellung auseinanderzusetzen und neu gewonnenes Wissen praktisch anzuwenden.

Jetzt mitmachen

Das Apfelweinfest lebt vom Engagement regionaler Akteure. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich mit eigenen Ideen, Beiträgen und Angeboten einzubringen:

  • Erfahrene Moster sind eingeladen, ihr Wissen weiterzugeben und sich aktiv am Festprogramm zu beteiligen.
  • Regionale Künstlerinnen und Künstler – insbesondere Musikschaffende– können sich gerne melden, wenn Interesse besteht, das Apfelweinfest ehrenamtlich mitzugestalten.
  • Besucherinnen und Besucher erhalten die Möglichkeit, Einblicke zu gewinnen, Erfahrungen auszutauschen und regionale Initiativen kennenzulernen.

Infos zum Projekt

Das Unterprojekt „Mostrenaissance“ entsteht im Rahmen des Projekts „Mehr Baamaland für Frankens Mehrregion“ des Landschaftspflegeverbands Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und wird mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums gefördert.

Kontakt und Anmeldung:
E-Mail: antonia.zink@kreis-nea.de, Betreff: „MostProbierbar“, „Mostkurs“ oder „Mostfest“

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