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Ein stiller Ort mit langer Geschichte
Man könnte meinen, der thüringische Dichter und Theologe Julius Sturm habe im ersten Vers seines Gedichts „Die Kapelle“ das kleine „Kirchlein“ am Ortseingang von Simmershofen beschrieben. Seine Gedichte, die der deutschen Spätromantik zuzuordnen sind, zeichnen sich durch eine tiefe und friedvolle Stimmung aus. Natur, Glaube und Ruhe stehen dabei im Mittelpunkt – und genau diese Atmosphäre strahlt auch die kleine Kapelle in Simmershofen aus.
Östlich außerhalb des Dorfes, nördlich an der Straße nach Adelhofen, steht die Heilig-Kreuz-Kapelle als kleine Nebenkirche auf einer ehemaligen Friedhofsfläche. Umgeben von Bäumen und einer ruhigen Landschaft liegt sie etwas abseits des Ortes.
Wann genau die Heilig-Kreuz-Kapelle erbaut wurde, ist nicht bekannt. Erstmals erwähnt wird sie im Jahr 1307. Damit gehört sie zu den ältesten Kirchengebäuden der Pfarrei St. Michael und Crispin im Dekanat Uffenheim. Aufgrund ihrer langen Geschichte und ihrer besonderen baulichen Bedeutung steht die Kapelle unter Denkmalschutz.
Ihr heutiges Aussehen ist im Laufe vieler Jahrhunderte entstanden: Ende des 14. Jahrhunderts wurde der Chorturm an das Langhaus der Saalkirche angebaut, 1757 erhielten das Langhaus ein zusätzliches Fachwerkgeschoss und der Chorturm ein neues Dach. Nach weiteren Veränderungen wurde die Kapelleneinrichtung 1844 entfernt und die Sakristei abgebrochen. Auch im Innenraum gibt es einiges zu entdecken: Der Chor besitzt einKreuzrippengewölbe, das Langhaus eine flache Decke, und gut erhaltene Wandmalereien – darunter die heilige Helena am Chorbogen – geben Einblick in die frühere Gestaltung des Kirchenraums.
Wer an der Heilig-Kreuz-Kapelle vorbeikommt, entdeckt ein Gebäude, das auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirkt. Doch hinter den alten Mauern verbirgt sich eine Geschichte von mehr als 700 Jahren. Die Kapelle hat Kriege, Veränderungen, Beschädigungen und Umbauten überstanden und wird bis heute für besondere kirchliche Feiern genutzt.
Auch wenn sie seit 1844 nicht mehr als reguläre Kirche dient, ist sie weiterhin mit dem kirchlichen Leben der Gemeinde verbunden. So wurde beispielsweise im Mai 2025 die sogenannte „Kerchleskerwa“ als FreiluftAbendgottesdienst vor dem historischen Gebäude gefeiert. Auch in den Jahren zuvor war die Kirchweih Anlass für Gottesdienste an diesem besonderen Ort.
Vielleicht passt deshalb auch Julius Sturms Gedicht „Die Kapelle“ so gut als Einstieg: Eine kleine Kapelle, umgeben von Natur und Ruhe, die zwar nicht mehr regelmäßig zum Gottesdienst einlädt, aber bis heute ein besonderer Ort geblieben ist. Wer sich die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, kann hier nicht nur ein altes Gebäude entdecken, sondern auch ein Stück Geschichte von Simmershofen.
